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Story · September 2023

West Coast Road Trip – Herbst 2023

USA-Westküste & Südwesten

Wo der Pazifik und die Bäume uns kleiner machen

San Francisco → Big Sur → Yosemite → Sequoia → Los Angeles → Las Vegas → Grand Canyon → Albuquerque · September–Oktober 2023 · ca. 3.500 mi / 5.600 km

Es gibt Reisen, die man plant. Und dann gibt es Reisen, die einen formen.

Unsere erste große USA-Reise beginnt in San Francisco — mit dem Jetlag, einem Mietwagen, dem Geruch nach Salz und der Gewissheit, dass wir in den nächsten zwei Wochen mehr sehen werden, als sich in Worte fassen lässt.

San Francisco empfängt uns mit Nebel, steilen Straßen und der Alcatraz-Tour, die anders ist als erwartet — stiller, schwerer, beeindruckender. Wir fahren über die Golden Gate Bridge und zahlen acht Dollar Maut. Dafür bekommen wir etwas Unbezahlbares: diesen Moment, wenn rote Stahlträger links und rechts an einem vorbeifliegen und der Pazifik in beide Richtungen verschwindet.

Big Sur kommt dann wie ein Versprechen, das die Küste uns gibt. Der Highway 1 klettert und stürzt. Felsen fallen ins Meer. Wir halten an jedem Aussichtspunkt, der sich bietet — und dann noch an einem mehr. Neptunes Net, ein Roadhouse irgendwo zwischen LA und dem Ende der Welt, macht uns mit einem Film-Location-Frühstück glücklich: das Restaurant aus Fast & Furious 1, echtes Picknick-Flair, Biker, Aussicht, Kaffee.

Yosemite überrollt einen. Das ist das richtige Wort. Wir parken, steigen aus, schauen hoch — und schweigen. Half Dome. Tunnel View. Wasserfälle, die im Oktober schon leiser sind, aber immer noch sprechen. Wir wandern, bis die Beine fragen, wann Schluss ist. Die Antwort lautet: nach dem nächsten Aussichtspunkt.

Im Sequoia National Park stehen wir vor dem General Sherman Tree — dem größten Lebewesen der Erde nach Volumen — und begreifen, dass Größe eine völlig andere Dimension annehmen kann. Die Bäume sind so alt, dass die Geschichte Europas in ihren Jahresringen steckt.

Los Angeles ist laut, weit, schön und überwältigend. Universal Studios mit der Harry Potter Tour — Scherbottich, Hogwarts-Express, die komplette Dosis Kindheitserinnerung. Der Griffith Observatory bei Nacht. Der Hollywood Boulevard, der weniger glamourös ist als erwartet und trotzdem irgendwie zieht. Und Willow Springs Raceway, weil man manche Dinge einfach tun muss.

Dann die Wüste. Joshua Tree, Calico Ghost Town, Mojave — die Landschaft wird breiter, leerer, wärmer. Las Vegas kommt als Kontrast: Lichter, Lärm, Fremont Street, ein Schießstand. Wir schießen mit Waffen, die wir aus Filmen kennen, und fahren am nächsten Morgen früh weiter, bevor die Stadt uns hält.

Der Grand Canyon bleibt das einzige Mal auf dieser Reise, dass wir beide nichts sagen. Horseshoe Bend. Antelope Canyon, schmal wie ein Atemzug. Monument Valley im letzten Licht. Diese Bilder sitzen tiefer als jede Beschreibung reicht.

Albuquerque ist unser letzter Stop — Breaking Bad Pilgerfahrt inklusive. Wir fahren die Film Locations ab, erkennen Ecken wieder, staunen, wie real das alles wirkt. Dann der Flug nach Hause. Die Koffer sind schwerer als beim Hinflug. Die Augen auch.